Der Wilde Kaiser ist einer der markantesten Kalksteinblöcke im Norden Tirols. Wie ein nach Westen offenes Hufeisen liegt das Kaisergebirge zwischen den Chiemgauer Voralpen und dem Alpen-Hauptkamm. Getrennt werden Zahmer Kaiser und sein wildes Pendant durch das Kaiserbachtal, zu dem man von Kufstein aus gelangt. Den Bogen des „Hufeisens“ bildet das Gebiet des Stripsenjochs. Der Niederkaiser südöstlich bildet den „Abschluss“.
Den wohl schönsten Anblick bietet der bis über 2.300 Meter hohe Zackenkamm von Süden aus, etwa vom Gipfel der Hohen Salve. An den sonnenreichen Südhängen befinden sich wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht von Westen nach Osten die Gebirgs- und Touristendörfer Söll, Scheffau, Elmau und Going.
Besiedelt ist das Tal zwischen den „Kaisern“ wohl schon seit ca. 28 000 Jahren, wie archäologische Funde nahelegen, was den ältesten Nachweis einer Besiedelung Tirols darstellt. Aus der Kupfer- und Bronzezeit vor vier-bis fünftausend Jahren liegen zahlreiche Zeugnisse einer durchgehenden Besiedlung vor. Vielleicht geht der Name „Kaiser“ auf den optischen Eindruck zurück, den das Gebirge von mehreren Seiten aus nahelegt, „…so einer kaiserlichen Cron gleich ist…“, nach einem Kitzbüheler Güterverzeichnis von 1240.

Seit 1963 steht das gesamte Gebiet unter Naturschutz, infolge dessen ist die Bergwelt hier fast komplett von Seilbahnen und Straßen verschont. Nur der „Zugang“ von Kufstein aus ist durch einen Sessellift erleichtert und über eine – nicht für den öffentlichen Verkehr freigegebenen – Straße möglich. Lediglich an der Südseite des Wilden Kaisers befinden sich in den genannten „Kaiserorten“ Bergbahnen.
Flora und Fauna
Die „kaiserliche“ Flora und Fauna ist typisch für die Gebirgsstöcke der Nordalpen, wie im Karwendelgebirge und Wetterstein und Rofan streifen Steinadler durch die Lüfte, treiben Murmeltiere ihre possierlichen Spiele und balancieren Gämsen und bisweilen auch Steinböcke gekonnt auf Graten und in Karen. Auch gut getarnte Schneehühner lassen sich bisweilen entdecken, ebenso kleinere wie größere Säuger wie Fuchs und Dachs. Die Berghänge sind von Fichten und Weißtannen dominiert, dazwischen stehen Eiben, Buchen und Bergahorne. Weiter oben herrschen die zwergwüchsigen Formen, Latschenkiefern und Rosa Almrausch. Erstaunlich ist die Anzahl an Arten im Naturschutzgebiet Kaisergebirge und dem Ramsar-Schutzgebiet, geschuldet der abwechslungsreichen Landschaft mit klaren Bergseen, Bächen, Steilwänden und Wäldern. Neben mehr als 900 verschiedenen Blumen kommen 38 Farnarten, ca. 400 Moose und Flechten vor, die sämtlich unter Schutz stehen. In einem gesonderten Beitrag werden wir demnächst ausführlicher auf die Naturperlen der Region eingehen.
Besonders die Moore bilden hervorragende Biotope für Insekten, Kleintiere und fleischfressende Pflanzen.
Wandern und Bergsteigen
Insbesondere der wilde Kaiser ist eine ausgewiesene Spielwiese für versierte Alpinisten, Namen wie Fleischbank, Totenkirchl, Christaturm und Goinger Halt haben einen fast schon mystischen Ruf, forderten aber im Lauf der Zeit auch etliche Opfer. Die überaus zerklüftete Berglandschaft aus Kalkstein zieht immer wieder sowohl Profi- als auch Hobbybergsteiger in ihren Bann. Der Kaiser ist auch ein Wanderparadies, nicht nur der „Adlerweg“ führt durch das Gebiet, auch das Kaisertal selbst sowie Feld- und Heuberg, das Stripsenjoch oder der Hintersteiner See bilden nur eine Auswahl beliebter Wanderrouten. Erschlossen ist das Gebiet für Wanderer und Bergsteiger auch durch zahlreiche Hütten und Einkehrmöglichkeiten.
Auch an Seen hat die Region einiges zu bieten, ein bekanntes Gewässer in Tallage ist der Walchsee unter den Nordhängen des Zahmen Kaiser gelegen. Er bietet alle Arten von Wassersportmöglichkeiten, zumal er der wärmste See Nordtirols ist. Auch am Hintersteiner See, nördlich von Scheffau, bietet sich die Möglichkeit, Wassersport zu betreiben. Er ist zudem der sauberste Badesee Tirols. Man kann das Juwel erwandern über mehrere Routen oder bequem mit dem Shuttlebus dorthin gelangen. Auch die Zufahrt mit dem eigenen Pkw ist grundsätzlich möglich, unterliegt aber etwa bei hohem Publikumsaufkommen Einschränkungen. Eine gute Möglichkeit besteht darin, per Fahrrad/E-Bike zum See zu gelangen. Seine Umrundung ist eine bei Ausflüglern und Touristen beliebte Wanderung. Die höher gelegenen Bergseen sind für die sportliche Nutzung allesamt tabu, zu fragil ist dort das ökologische Gleichgewicht. Aufgrund der Vergletscherung der letzten Eiszeit gibt es auch einige Moore mit der ihr eigenen Artenvielfalt, manche davon kann man auf ausgewiesenen Wegen zu Fuß erkunden.

Nachhaltigkeit am Wilden Kaiser
Der so reizvolle wie herausfordernde Naturraum, seine zentrale Lage und gute Erreichbarkeit sorgen Sommers wie Winters für einen ansehnlichen Strom an Touristen, und dieser will verantwortungsvoll gemanagt werden. Seitens der Tourismusverbände wurde dies das schon früh erkannt und in manchen Aspekten wahre Pionierarbeit geleistet. „Nachhaltige Lebensqualität durch erfolgreichen Tourismus“ lautet das Motto der Tiroler Ferienregion – und dieses wird mit der Grünen (Bahn-)Anreise, kotenloser Mobilität vor Ort sowie konkreten Naturschutzmaßnahmen, Dialog und Mitgestaltung besonders großgeschrieben.
Dieser weitsichtige Blick auf den Tourismus und seine Herausforderungen mit den Aspekten von Heimatbewahrung, Sicherung des Einkommens der lokalen Bevölkerung, dem langfristigen Naturschutz im Verein mit einem tollen Angebot für Erholungs- und Erlebnissuchende bedingt eine durchdachte Strategie, die insbesondere auf nachhaltige Mobilitätangebote ausgerichtet ist.

Dabei gibt es drei Brennpunkte: die Anreise in den Urlaubsort, die „Letzte Meile“ zur Unterkunft und die Mobilität vor Ort, etwa die Zubringerdienste zu den Startpunkten von Wanderungen, Berg- und Skitouren. Wie das funktioniert, erläutert Lukas Krösslhuber, Geschäftsführer des Tourismusverbands Wilder Kaiser:
Der Tourismus in seiner Region ist „kein Selbstzweck, sondern die beste Möglichkeit, die Lebensqualität der hier lebenden, arbeitenden und urlaubenden Menschen zu erhöhen“. Das bedeutet: Freizeitmöglichkeiten schaffen, wirtschaftliche Entwicklung sichern und dabei die intakte Natur - die Grundvoraussetzung für erfolgreichen Tourismus, zu bewahren.
In Tirol, so Krösslhuber, rückten im Tourismus immer öfter die Auswirkungen auf den Lebens- und Naturraum in den Fokus. So sei der Strom für den Betrieb der Bergbahnen zu 100% grün, weil aus Wasserkraft erzeugt. „Schon aus wirtschaftlichem Eigeninteresse“ hätten österreichische Bergbahnen den Energieverbrauch in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent verringert – mehr als jede andere Branche.
Sowohl ökologisch als auch sozial wertvoll sei die Vermeidung von Individualverkehr durch eine kostenlose, gut ausgebaute Vor-Ort-Mobilität. Bis zu 21 Ski- und Wanderbusse sind gleichzeitig in der Region unterwegs. Außerdem stellen der Tourismusverband und über 150 Gastbetriebe im Rahmen der „Grünen Anreise“ Zugreisenden einen kostenlosen Transfer vom Bahnhof zur Unterkunft zur Verfügung. Er betont, dass der Wilde Kaiser die erste Region war, die vor über zehn Jahren schon einen Bahnhofs-Shuttle eingeführt hat.

Grüne Anreise und Vor-Ort-Mobilität am Wilden Kaiser
Wer die „Grüne Anreise“ bucht, kann neben dem kostenlosen Shuttleservice weitere Vorteile genießen, nämlich kostenlose Mobilität mit KaiserJet, Ski-, Wander- und Seenbusse und dem RegioRad sowie 10 Prozent Rabatt beim Ski- bzw. E-Bike-Verleih.
Mit diesem ausgesprochen erfolgreichen Angebot ist es ein Leichtes, den Urlaub ohne Auto zu genießen und ganz nebenbei noch den größten Teil an CO2, den wir im Urlaub produzieren, zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Denn Tourismus so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten, ist der Region Wilder Kaiser ein großes Anliegen. „Mit unserem Angebot ‚Grüne Anreise‘ wollen wir diesen Faktor reduzieren indem wir neuen, bahnaffinen Gästen ein Angebot und unseren Stammgästen den Umstieg schmackhaft machen. Hinzu kommt unsere Vor-Ort-Mobilität, die ein eigenes Auto überflüssig macht.
Vorreiter in der Vor-Ort-Mobilität
Zum Umweltschutz trägt aber nicht nur die Anreise mit der Bahn bei, sondern auch die Mobilität vor Ort. Hier gilt die Region Wilder Kaiser längst als Vorreiter, hat man sich hier doch bereits seit Jahren intensiv mit Mobilitätskonzepten befasst, die das eigene Auto vor Ort überflüssig machen. Für sein Engagement im Bereich „Nachhaltige Mobilität“ wurde der Tourismusverband Wilder Kaiser 2023 mit dem Energy Globe Award für Tirol ausgezeichnet.
GästeCard
Die Mobilität am Wilden Kaiser ist kostenlos. Jeder Übernachtungsgast erhält von seinem/ihrer Gastgeber*in die Wilder Kaiser GästeCard – auch vorab, digital aufs Handy, um sie schon bei der Anreise nutzen zu können – etwa für den regulären, öffentliche Bus der Verkehrsbetriebe Tirol (VVT). Wer also in Wörgl, Kufstein oder St. Johann aus dem Zug steigt, kann mit der GästeCard auch die Öffi-Busse nach Ellmau, Going, Scheffau und Söll kostenlos nutzen.
KaiserJet
Zwischen den Gemeinden verkehrt in der Hauptsaison der KaiserJet, eine Buslinie, mit der Touristen kostenlos im Halbstunden-Takt bequem zwischen den vier Kaiser-Orten hin- und herfahren können. Seit März 2024 ist auch in Winter ein KaiserJet im Einsatz, um den Gästen die Teilnahme am März Up! Aktivprogramm zu ermöglichen.
Ski-, See- und Wanderbus
Im Winter fahren in allen vier Orten innerörtliche Skibusse. Zum Hintersteiner See (Einstieg in Scheffau) und den beliebten Wanderstartplätzen Wochenbrunner Alm (Einstieg in Ellmau) und Hüttling (Einstieg in Going und Ellmau) fahren im Sommer jeweils noch zusätzlich zum KaiserJet eigene Busse.

E-Bike-Verleih
In jedem der vier Kaiser-Orte gibt es mehrere Rad-Verleiher, die sowohl E-Bikes als auch „Bio-Bikes“ anbieten. Damit ist es im Sommer ein Leichtes, sich fernab vom motorisierten Verkehr durch die Region zu bewegen. Ein durchgehender Radweg führt z.B. von Söll über Scheffau und Ellmau bis Going und in beide Richtungen darüber hinaus.
RegioRad in Ellmau
Was man sonst nur aus Städten kennt, gibt es längst auch in Ellmau: Die sogenannten RegioRäder. Dabei handelt es sich um jene Räder, die man sich an SB-Verleihstationen ausleihen und für die Fortbewegung im Dorf nutzen kann. Daher sind sie auch keine geländegängigen Mountainbikes, sondern praktische Stadträder, die für jene Wege genutzt werden können, die gerade zu weit für einen Fußmarsch aber zu kurz für eine Auto- oder Busfahrt sind. Etwa von der Bergbahn Ellmau zum Kaiserbad – wo sich jeweils Verleihstationen befinden. Mit der GästeCard sind die ersten 30 Minuten kostenlos.
https://www.wilderkaiser.info/de/natur-am-wilden-kaiser.html
https://www.wilderkaiser.info/de/ramsar-schutzgebiet-moore-am-wilden-kaiser.html
https://www.tiroler-schutzgebiete.at/schutzgebiet/wilder-kaiser/
https://www.kaiserwelt.at/de/wanderbus-kaiserjet.html
https://www.wilderkaiser.info/de/wandern-in-der-region-wilder-kaiser.html



