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Am Strudelbach, meinem Lieblingsort, entlang

Am Strudelbach, meinem Lieblingsort, entlang

Von der Redaktion·4 Min. Lesezeit

Der Naturpark Steinwald ist mit seinen 230 Quadratkilometern nicht gerade der größte in Bayern, aber er ist unheimlich strukturreich und von einer so großen Artenvielfalt, von der andere nur träumen können. Hier bin ich seit Jahren so oft wie möglich mit meiner Kamera unterwegs gewesen, um immer wieder neue Flecke zu entdecken. Es sind nicht die großen Wege, sondern die kleinen Pfade, die mich reizen. Je nach Jahreszeit zeigt sich der Steinwald immer in einem anderen Gewand. Besonders das Frühjahr mit seinem zartgrünen Buchenlaub und die frisch wachsenden Farnwedel an den Bachufern, begleitet vom lauten Gezwitscher der Singvögel begeistert mich immer wieder. Nach der Schneeschmelze und nach starkem Regen entwickelt sich der kleine Strudelbach bei Friedenfels, dem ersten Naturerlebnisdorf in Bayern, an dem ich hier entlang gehe, oft zu einem reißenden Wildbach. Völlig anders präsentiert sich der Herbst mit einer Farbexplosion, besonders wenn sich die Farbenpracht an der Wasseroberfläche in den Bächen und Weihern spiegelt.

Herbstimpression am Strudelbach
Herbstimpression am Strudelbach

Im Winter ist es oft etwas anstrengend, wenn man querfeldein durch kniehohen Schnee marschiert, dafür zeigen sich oft prachtvolle Kunstwerke aus Eis an den Ufern und in den glasklaren Bächen.

Zwei besondere Orte sind es, die ich immer wieder gerne aufsuche. Einer davon ist eine vor Jahren umgefallene, große Buche, die verrottet und deren Totholzstamm ein ideales Substrat für die schönsten Schleimpilze (Myxogastria) bildet. Diese millimetergroßen, überaus farbenprächtigen und formenreichen Gebilde bleiben aber dem ungeübten Auge oft verborgen.

Wundersame Schleimpilze am Totholzstamm einer verrottenden Buche
Wundersame Schleimpilze am Totholzstamm einer verrottenden Buche

Eine schmutzige Hose, wenn man auf allen Vieren rumkriecht, darf einen dabei nicht stören. Nicht weit von diesem Fleck steht noch der Stumpf einer weiteren abgestorbenen Buche ebenfalls im Endstadium der Totholzentwicklung. Hier konnte ich auch schon über Jahre den Verfall beobachten, wenn Pilze den Baum zersetzen und sich ein exotischer Pilz, der Ästige Stachelbart (Hericium coralloides), nun immer weiter ausbreitet. Er ist relativ selten und es gibt ein paar wenige Stellen im Steinwald, wo ich ihn beobachten konnte. Er wächst an mehreren Stellen am Stamm und verzweigt sich in immer feinere Ästchen. Diese „Koralle“ entspricht dem Fruchtkörper des Pilzes, während sich das Myzel im Totholz ausbreitet und dieses immer weiter zersetzt. Diesen, im Jugendstadium blendendweißen Pilz, den man für eine Südseekoralle halten könnte, zieht mich regelmäßig im Herbst an, leider wird er aber, wenn das Totholz sich vollständig zersetzt hat, in nächster Zeit wieder verschwinden - in der Hoffnung, dass er seine Sporen weiter verbreitet hat.

Der ästige Stachelbart, der zu den Korallen-Pilzen zählt, hat eine weitere abgestorbene Buche erobert
Der ästige Stachelbart, der zu den Korallen-Pilzen zählt, hat eine weitere abgestorbene Buche erobert

Es wachsen natürlich an abgestorbenen Baumstämmen noch andere Baumpilze, die sowohl Tod als auch neues Leben bedeuten.

Jetzt geht´s weiter am Strudelbach entlang zu meinem zweiten Lieblingsort. Unterwegs münden immer wieder kleine Rinnsale, die vom Hang herabkommen, in den Bach, wo meine Aufmerksamkeit sich auf den moosigen Bereich konzentriert. Hier habe ich vor ein paar Jahren ein kleines, weißblühendes Blümchen entdeckte. Ein bekannter Botaniker war ganz entzückt über diesen „Schatz“ und ich musste ihn gleich am nächsten Tag dorthin führen. Es entpuppte sich als das Kleinblütige Moosauge (Moneses uniflora), eine immer seltener werdende Waldpflanze aus der Familie der Heidekrautgewächse.

Eine seltene Entdeckung: das Kleinblütige Moosauge
Eine seltene Entdeckung: das Kleinblütige Moosauge

Leider konnte ich es die Jahre später nicht mehr finden, werde aber die Fundstelle regelmäßig beobachten. Ich schlendere weiter am sich dahinschlängelnden Bach entlang und zu meiner Freude finden sich im Spätsommer und Herbst immer wieder Speisepilze, wie Marone, Edelreizker oder Pfifferlinge, aber auch gefährliche und schöne Pilze, so der unheimliche Knollenblätterpilz und der herrliche Fliegenpilz.

Nach einer halben Stunde erreiche ich endlich mein zweites Ziel, einen kleinen felsigen Abhang, wo sich der Strudelbach zwischen den Felsblöcken in viele kleine Wasserfälle aufteilt. Besonders schön zart und milchigweiß zeigen sich die Kaskaden mit einer Langzeitbelichtung der Kamera. Ein besonderes Schauspiel ist es im Frühjahr, wenn das Wasser zwischen Farnen und anderen Pflanzen über die Granitblöcke stürzt.

Aufnahme eines kleinen Wasserfalls mit Langzeitbelichtung
Aufnahme eines kleinen Wasserfalls mit Langzeitbelichtung

Ich verweile hier immer und höre dem Rauschen des Wassers zu und, besonders im Frühjahr, dem Zwitschern der Vögel. Als begeisterter Hobbyfotograf mache ich noch viele Bilder, obwohl ich schon über einen großen Bilderschatz vom Strudelbach verfüge, aber man hofft eben immer auf das noch bessere Bild. Auf dem Rückweg mache ich zu meiner Überraschung noch einen für mich ganz besonderen Fund. Zwischen zwei Felsblöcken schimmert etwas Braunglänzendes hervor, was sich bei genauerer Betrachtung als Frühlingslorchel (Pilz) entpuppt. Da muss ich natürlich mehrere Bilder machen, da man diesen Pilz auch nicht so häufig findet.

Eine weitere Rarität, die Frühlingslorchel
Eine weitere Rarität, die Frühlingslorchel

Wer mit offenen Augen durch den kleinen Naturpark Steinwald wandert, wird belohnt mit einem reichen Naturschatz. Begleitet auf meiner Wanderung haben mich auch exotisch aussehende Insekten, wie die langhalsige Kamelhalsfliege oder eine Blasenkopffliege Myopa buccata, sowie ein gut getarnter Grasfrosch unter Buchenlaub oder in der Luft der Schwarzspecht, der seinen Flug lauthals ankündigt. Dies ist nur eine der vielen Wanderungen und Spaziergänge, die ich im zweitkleinsten Naturpark in Bayern, dem Steinwald, gemacht habe und es werden hoffentlich noch viele folgen.