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Berggorilla-Trekking - ein Besuch bei der Verwandtschaft

Berggorilla-Trekking - ein Besuch bei der Verwandtschaft

Von der Redaktion·6 Min. Lesezeit

Mein Kindheitstraum sollte in Erfüllung gehen: Ein Besuch bei den Berggorillas in den Bergregenwäldern Ostafrikas. Schon so lange sehnte ich mich nach einer solchen Begegnung, die Vorfreude darüber war demnach kaum zu stoppen. Im Rahmen einer exklusiven Reise mit Topi-Tours war ein Aufenthalt im äußersten Südwesten Ugandas, im Bwindi Impenetrable Forest Nationalparks vorgesehen. In dem kleinen Ort am Rande des Schutzgebiets ist nicht zu übersehen, welches Tier hier der absolute „Star“ ist. Gefühlt trägt jede Lodge den Begriff Gorilla im Namen, überall findet man entsprechende Souvenirs. Die Gorillas sind allgegenwärtig. Doch würde man sie auch zu Gesicht bekommen?

Dazu werden spezielle Gorilla-Trekkings angeboten. Eine solche geführte Tour ist nicht gerade ein Schnäppchen. 600 Dollar kostet ein „Permit“, also die Erlaubnis für einen Besuch bei den haarigen Vettern. Das erscheint zunächst sehr viel. Doch darin enthalten sind neben der Eintrittsgebühr auch die fachkundige Führung durch einen Guide, die Begleitung und Absicherung durch bewaffnete Ranger sowie Spurenleser, die vorab Ausschau nach den Gorillafamilien halten.

Damit sichert dieser Beitrag nicht nur den Erhalt des Schutzgebietes, sondern auch die Existenzen vieler Familien. Deren wirtschaftliche Situation wäre ohne die vielen gut bezahlten Anstellungen im Nationalpark und im Tourismus drumherum gänzlich anders. Schutzgebiete erhalten eben nicht nur bedrohte Arten, sondern auch eine nachhaltige Lebensgrundlage für die Menschen in der unmittelbaren Umgebung.

Am frühen Morgen geht es los. Mit rund 50 anderen Gästen versammeln wir uns im Nationalpark-Zentrum und lauschen einer Einführung. Wir sollen respektvollen Abstand zu den Gorillas einhalten und in der Gruppe zusammen bleiben. Der Kontakt wird auf eine halbe Stunde limitiert, damit die wildlebenden Waldbewohner nicht zu sehr von ihren täglichen Aktivitäten abgehalten werden. Und auch wenn einige der Gorillafamilien den Kontakt zu uns Menschen gewohnt sind und keine Scheu mehr zeigen, eine Vorsichtsmaßnahme ist unverzichtbar: Das Tragen von Hygiene-Masken. Unsere nahen Verwandten könnten sich mit menschlichen Viren wie Influenza anstecken und daran sterben, denn ihr Immunsystem ist darauf nicht eingestellt.

Nach der Einteilung der Gruppen machen wir uns bereit für den Abmarsch. Wir werden nach einer groben Einschätzung der körperlichen Fitness in Teams zu maximal zehn Personen zusammengestellt. Ich habe offenbar die Gruppe mit der längsten und steilsten Wegstrecke erwischt.

Der Weg führt durch einen großartigen Regenwald mit üppiger Vegetation.
Der Weg führt durch einen großartigen Regenwald mit üppiger Vegetation.

Zunächst einmal ein längerer Fußmarsch durch einen großartigen und üppigen tropischen Regenwald. Riesige Bäume, bis in die höchsten Etagen bewachsen. Dichte Vegetation am Boden, Grün in allen Nuancen, Blätter in allen erdenklichen Formen. Dazu Vogelstimmen wie aus einer anderen Welt. Ich bin total hypnotisiert. Dann beginnt ein ziemlich steiler Aufstieg - und mir wird klar, warum wir so eingeteilt wurden. Mein Team ist eine ziemlich fitte und international zusammengewürfelte Truppe: eine Familie aus den USA, der Sohn Bergführer von Beruf, die Eltern könnten die Inhaber eines Fitness-Studios sein, ein junges Pärchen aus den Niederlanden, das schon überall in der Welt herumgekommen ist, außerdem zwei Italiener, die sehr naturinteressiert scheinen - und ich, bepackt mit meiner Kameraausrüstung und einem Fernglas. Doch für ausgedehnte Vogelbeobachtungen ist nicht der richtige Zeitpunkt, wir müssen auf den Berg. Denn dort oben ist das eigentliche Ziel unseres Tages: eine Familie Berggorillas.

Ein langer Fußmarsch durch den Regenwald erlaubt nebenher einige Beobachtungen der dortigen Vogelwelt, hier ein Grauflügel-Akalat (Cossypha colioptera bzw. Sheppard colioptera).
Ein langer Fußmarsch durch den Regenwald erlaubt nebenher einige Beobachtungen der dortigen Vogelwelt, hier ein Grauflügel-Akalat (Cossypha colioptera bzw. Sheppard colioptera).

Wie mir der Guide verrät, ist es die Gruppe, die schon am längsten an Menschen gewöhnt ist - seit über 20 Jahren. Als wir bei Ihnen angekommen sind, verstehe ich, welch großes Glück es war, dem anstrengenden Anmarsch zugeteilt worden zu sein. Denn als wir eine kleine Lichtung im Dickicht erreicht haben, erblicken wir sie: eine Großfamilie Berggorillas mit gut einem Dutzend Weibchen und Jungen und natürlich einem mächtigen männlichen Silberrücken. Er sitzt am Rande der Szenerie, kaut scheinbar desinteressiert an ein paar Zweigen herum. Mit seinem gelegentlichen prüfenden Blick behält er jedoch alles ganz genau im Auge. Sollte eine Störung oder gar Gefahr auftauchen, wäre er als der „Bodyquard“ seiner Familie sofort zur Stelle. Deshalb erinnern uns unsere „Bodyguards daran, dass wir brav unseren Abstand einhalten sollen.

Der Silberrücken hält Wache und hat alles genau im Blick
Der Silberrücken hält Wache und hat alles genau im Blick

Wir kauern uns nieder und beobachten unsere haarigen Verwandten. Einige sind bei der Nahrungsaufnahme und essen Blätter, Knospen oder schälen Zuckerrohr. Einige der Jüngeren spielen miteinander und toben herum. Andere ruhen aus und dösen - ein völliges Zeichen von Vertrauen uns menschlichen Besuchern gegenüber. Doch den größten Vertrauensbeweis sollten wir ein wenig später erhalten.

Einige Familienmitglieder bewegen sich durch die Vegetation. An manchen Stellen mit dichten Sträuchern ist es gar nicht so einfach, ihren Bewegungen zu folgen, geschweige denn gute Fotos zu machen. Doch hin und wieder erblickt man einen Kopf durch das dichte Blattwerk und es gelingen einige schöne Portraits.

Ein Gorillaweibchen in der dichten Vegetation.
Ein Gorillaweibchen in der dichten Vegetation.

Und dann passiert etwas völlig Ungewöhnliches: Ein kleines Gorillakind kommt auf mich zu, bleibt vor mir stehen, zieht an meinem Hosenbein und schaut zu mir auf - ganz so als wolle es mir sagen: Komm, spiel mit mir! Unser Guide wird ganz blass. Er fuchtelt nervös herum und möchte, dass der Kleine sich trollt. Seine Befürchtung ist, dass der „Boss“ sich einschalten könnte. Ich schaue das Gorillajunge an und gebe ihm zu verstehen, dass es schnell weiter soll. Es lässt meine Hose los und verschwindet im Dickicht. Was für ein Augenblick! Direkte Kontakte zu Menschen sind extrem selten. Normalerweise halten die Gorillas von sich aus Abstand. Die meisten beachten die Besuchergruppen, die einmal am Tag für eine halbe Stunde auftauchen und dann wieder im Wald verschwinden, nicht groß. Wir Menschen sind weder Bedrohung noch besonders interessant. Wir sind einfach da, machen ulkige Geräusche und riechen ein wenig seltsam.

Ein halbwüchsiger Gorilla lugt neugierig herüber.
Ein halbwüchsiger Gorilla lugt neugierig herüber.

Und mit einem Mal erleben wir noch etwas ganz Besonderes, vielleicht den Beweis, dass diese Gruppe uns Menschen absolut vertraut. Eines der Weibchen, das bisher ganz ruhig mit dem Rücken zu uns dagesessen hat, dreht sich ein wenig herum und hebt den Arm. Wir erblicken ein winziges Gorilla-Baby, das unter dem Arm seiner Mama hervorblinzelt. Es ist noch so klein, dass es kaum sein wackeliges Köpfchen halten kann. Ein magischer Moment!

Das Gorilla-Baby blickt unter dem Arm seiner Mutter hervor.
Das Gorilla-Baby blickt unter dem Arm seiner Mutter hervor.

Selbst die toughen Männer unter uns bekommen glasige Augen. Wir erhaschen noch ein paar Blicke auf den Winzling und genießen diesen absoluten Höhepunkt unserer Tour noch ein wenig. Dann geht es wieder zurück. Wir alle werden diesen Tag, diese halbe Stunde, diese Augenblicke nie vergessen. Schöner hätte meine „Geburtstagsparty“ mit der Verwandtschaft nicht sein können.